Wolfgang Bommer

„Schlagzeugstammbaum“


Wie wohl die meisten Drummer habe ich von meinem ersten Set keine Bilder. Es bestand nämlich tatsächlich aus Stühlen, Töpfen und Deckeln!! Rückblickend bin ich froh, immer mal wieder Pics von meinen Schlagzeugen geschossen zu haben, so lässt sich die persönliche Drumhistorie (und die des Schlagzeugers..;-)..) leicht nachvollziehen:


1983 - 1990    Tama Swingstar in Blue Pearl Effekt aus den End-60ern

Mein erstes echtes Set! Ursprünglich bezogen mit weißer DC-Fix Folie, befreite ich es bald davon und das ursprüngliche Blue Pearl kam zum Vorschein... Ganz im Stil der frühen 80er Jahre „aufgerüstet“ durch 2 Roto-Toms, 2 Concert-Toms, einer Sonor Signature Metall-Snare und unzähligen Becken war dann 1987 doch die Zeit gekommen, ein hochwertig klingendes Set anzuschaffen. Danach benutzte ich das Swingstar nur noch selten, bis ich es 1990 verkauft habe.






1987 - 1990    Tama Superstar in Mahagoni


Deutlich besser im Klang und mit der Philosophie „mit Resonanzfell spielen und am besten gar nichts abkleben“ ausgestattet, konnte mit dem Superstar nichts mehr schief gehen.
Entgegen dem Trend der Zeit bestellte ich KEINE tiefen Kessel, allerdings verwendete ich weiter die Sonor Signature 8 x 14 Snare, dieser Sound entspricht natürlich schon eindeutig der damaligen „Klangmode“. Das Superstar gab ich 1990 in Zahlung für einen Sabian-Beckensatz







1990 - 2009    Ayotte Custom in Yellow Frost

Nach einem Drumworkshop 1990 bestellte ich dieses Schlagzeug bei dem anwesenden Ray Ayotte persönlich. Es war DAS 90er Schlagzeug für mich und bis 2003 mein einziges Set.
Ein, selbst nach hunderten von Gigs, immer noch ein ausgezeichnet klingendes Schlagzeug,
welches nach knapp 20 Jahren immer noch 2/3 des Neupreises erzielte und mich nie durch Hardwaredefekte im Stich gelassen hat. Und, ja, ich gebe es zu, beim Verkauf 2009 befiel mich schon etwas Wehmut ...



2000 - 2007 Simmons SDS 8

„Spät ist besser als gar nicht“ oder „ein Simmons sollte jeder Drummer mal besessen haben“; so könnte man den sehr späten Erwerb eines Simmons E-Sets auch bezeichnen. Auf speziellen Wunsch von Kai Tracid legte ich mir 2000 im Rahmen des Tracid-Projektes für „Live“-Auftritte ein gebrauchtes SDS 8 zu. Vordergründig nur als Fake-Drum eingesetzt, z. B. bei Viva Club-Rotation (siehe Video), der Pop-Comm in Köln und einigen anderen Auftritten im Jahr 2000, habe ich es doch einige Male zu einem Drum-Solo zwischen den Liedern live einsetzen können, z. B. bei der „Nature One“( http://www.nature-one.de). Mit Ende des Tracid-Projektes 2001 kam auch das Simmons nicht mehr zum Einsatz und wurde nach langer Kellerstandzeit 2007 verkauft.


2003 - 2006     Sonor designer class in Stain Green

Mit dem Einstieg bei Abba-alive stellte sich schnell heraus, dass das Ayotte in einer Abba-Band doch sehr modern klang. Da verknüpfte speziell dieses Sonor schon eher guten Sound ohne allzu trendy zu klingen. Ich grub dazu wieder die oben erwähnte 8-Zoll Signature Snare aus dem Fundus aus und schon passte alles recht gut. Das Sonor gab ich dann 2006 in Zahlung für das Hip-Gig und einen Sabian-Beckensatz.





2005 – heute    Gretsch, USA-Custom von 1994 in Walnut

Das High End Class Drum unter meinen Schlagzeugen. Ein glücklicher Zufall ließ es 2005 in meine Hände fallen. Nach kurzem Anspielen war klar: DAS brauche ich! Kurz darauf kam noch eine 8 x 14 Walnutsnare, ebenfalls USA-Custom 1994, dazu. Letztlich gefiel sie mir dann doch nicht und wurde in Zahlung gegeben. Ergänzt habe ich das Set jedoch wieder um eine 14 x 7 Gretsch Messingsnare mit breitem Teppich und einer 10 x 4 Gretsch Metallsnare, welche häufig als Funk-/Reggaesnare oder auch timbale-ähnlich zum Einsatz kommt. Das Gretsch ist ein universell einsetzbares Set, selbst bei Abba und  Country  passt die Klangfarbe hinein. 




2005 - 2007    Roland TD 10 in rot

Für einen echten elektronischen Spielbetrieb war das Simmons Mitte 2000 einfach zu veraltet, deshalb zog 2005 zunächst ein TD 10 ein. In der Praxis stellte sich schnell heraus, dass die Trommeln, die Crash- und das Ride-Becken zwar gut spielbar waren, das HiHat (als einzelne Scheibe) jedoch kein allzu gutes Spielgefühl vermittelte. Dazu kam die Erkenntnis, dass E-Drums auf der Bühne, insbesondere bei lauten Bands, akustisch völlig anders „gefühlt“ werden. Mancher Musiker entwickelt dann in extremen Hörsituationen ein eigenes Timingleben und stürzt den Drummer in Verzweiflung. Klar hat das etwas mit Spieldisziplin zu tun, dennoch sollten solche Erfahrungen nicht verschwiegen werden.
Das TD 10 wich dann 2007 dem TD 20.



2006 bis heute    Yamaha Hip Gig, Rick Marotta

Was soll man dazu alles sagen? Das Hip Gig wird von mir regelmäßig für da-muss-ich-hinfahren-Proben genutzt, wurde jedoch von mir auch schon zu sehr vielen Live-Gigs eingesetzt. Mehrere Erfahrungen kann man mit diesem Set sammeln, z. B. reichen die Äußerungen der Mitmusiker von „Genial“ über „och wie süß“, „soll ich Dir beim Tragen helfen – nö, das ist schon alles“ bis hin zu „bring endlich mal wieder ein echtes und kein Kinderschlagzeug mit“.  Durch die kleinen Größen, dazu spiele ich 13“- HH-Becken, ist das Hip-Gig sehr schnell und bissig im Anschlag; man sollte vom Spielgefühl her sehr genau darauf achten, nicht die Time zu treiben, insbesondere bei „schweren-Laid-Back-Grooves“ ist bewusste Zurückhaltung angesagt. Soundtechnisch kommt die Gretchenfrage bei der Bass Drum: Die guten Mixer mit vernünftiger PA und Mikrofonie sind in der Lage, aus der 18er Kick einen vernünftigen, druckvollen Natursound herauszuholen; allerdings habe ich die BD live, insbesondere bei kleinen Auftritten und kleinen PAs, auch schon recht häufig getriggert (zusätzlich zum Natursound). Für die Snare empfiehlt sich ein breiter Teppich oder die Abnahme von Schlag- und Resonanzfell um den „Crisp“ gut herauszubringen.
Insgesamt ist das Hip-Gig eines meiner meistverwendeten Sets.




2007 – 2009: Roland TD 20 in schwarz

Auf das TD 10 folgte das TD 20, hauptsächlich, weil ich mit der Spielbarkeit des Einscheiben-HiHat nicht sehr zufrieden war. Das TD 20 bot mit seinem zweischeibigem HH ein deutlich realistischeres Spielgefühl, wenn auch die mit dem Fuß zu haltende Position für ein „trashig“ klingendes Hat sehr genau getroffen werden muss.
Hauptsächlich und mehrjährig bei den Gigs in Ischgl und einigen Firmenfeiern eingesetzt, war das TD 20 doch nicht allzu oft live im Einsatz. Mit der Zeit realisierte ich dann, dass ich derzeit nicht zwingend ein elektronisches Schlagzeug benötigte, 2009 verkaufte ich das TD 20, da der Wertverlust ansonsten zu hoch gewesen wäre. Das war sicherlich nicht das Ende für elektronische Schlagzeuge, kommen Zeit und Anlass, wird auch wieder ein elektronisches Komplettset Einzug in die Schlagzeugfamilie halten.



2007 bis heute: Roland HD1

Sozusagen ein elektronisches Hip-Gig! Da jedoch nur die Snare mit einem Mash-Head ausgestattet ist und die BD-Pedale nur über Federn laufen, entspricht die Anschlagssituation kaum einem akustischen Schlagzeug. Allerdings ist das Set sehr schnell zu transportieren und kann als Übungsschlagzeug überall verwendet werden. Die Five -n- Dime Lieder habe ich alle im Hotelzimmer mit dem HD 1 erarbeitet. Völlig lautlos ist aber auch ein HD 1 nicht, so dass man nach 22 Uhr in Wohngebäuden auch nicht mehr richtig spielen kann. Zum Proben taugt das HD 1 nur notdürftig, für Live Gigs habe und werde ich es nicht einsetzen.





2009 bis heute: Wahan – Plexiglas

Mit der Zeit stellte sich die Frage nach einem auf der Bühne effektvoll wirkendem Schlagzeug. Die Plexiglas-Idee schwirrte schon eine Weile in meinem Kopf herum, die angetesteten Sets von Sonor und Ludwig konnten mich allerdings nicht restlos überzeugen.

Im Sommer 2009 lernte ich dann Willy Wahan (baut z. B. für Armin Rühl/Grönemeyer)  kennen und bestellte das Plexiglasset bei ihm. Die Diameter wählte ich bewusst voluminöser als bei dem Gretsch, um nicht nur ein optisch anderes Schlagzeug, sondern auch eine „rockbare“ Soundfarbe zur Verfügung zu haben. Es brauchte dann doch zwei/drei Versuche, um die überzeugende Fellkombination für sowohl Toms, Snare, als auch BD zu finden. Alle Felle sind  klar, die Snare jedoch rüstete ich nachträglich auf Gussreifen um, als Schlagfell dient ein Ambassador coated,  was der Optik jedoch keinen Abbruch verleiht. Bemerkenswert ist, wie „wetterfühlig“ das Set ist. Aus einem erhitzten Tourbus aufgebaut, klingt das Set extrem hoch getunt, lässt man ihm dann 2-3 Stunden Zeit, bzw. die Sonne scheint nicht (mehr)  auf das Set, klingt es wieder wie zuvor im Proberaum. Sinken die Temperaturen während eines Open-Air z. B. im Spätherbst stark ab, muss man desöfteren höher stimmen. Insgesamt ein sehr gut klingendes und optisch herausragendes Set.



2010 bis heute: Tama Star Classic in Astral White Diamond

Isses nicht schön..:-)?? Anlässlich eines Gigs im Käfer Restaurant „Opera“, Alte Oper Frankfurt/M, sagte eine „High Society-Dame“ im Vorbeigehen: „Oh  mein Gott, dass sieht aus wie meine Louis Vuitton Handtasche“...

Ursprünglich war das anders gedacht, denn, im Drumladen nahezu unverkäuflich, erkannte ich sofort das „optische Potenzial“ für Abba und die Countryband... Beim Antesten stellte sich heraus, dass der recht leise und warme Klang eine Ergänzung zu Gretsch und Wahan sein würde und der Kauf war perfekt. Die Optik spaltet die Betrachter nahezu in schwarz-weiß, also von „ohh, wie geil“ oder „boahh, sieht das Scheiße aus“. Dazwischen gibt es wenig Meinungen, also in jedem Fall kein Schlagzeug an das man sich aus Langeweile nicht erinnern würde. Und nach 20 Jahren gesellte sich wieder ein „Tama“ zur Schlagzeugfamilie.



Becken:

Anfänglich noch Mixturen aus Tosco, Ufip und Paiste spielend, verwende ich seit 1990 für meine großen Sets ausschließlich Sabian Becken. Lediglich für das Hip Gig nutze ich einen Satz Amedia-Becken, welche irgendwie genau dazu passend klingen!